Ein Abend im Öden

Bürgerversammlung mit der neuen Bürgermeisterin Doris Laban, dem neuen Touristik-Chef der Gesundheitswelt und einem langhaarigen Priener.

Der Endorfer Kultursaal war recht ordentlich gefüllt, nachdem gestern Abend Frau Bürgermeisterin (Doris Laban) zu ihrer ersten Bürgerversammlung geladen hatte. Es gab ein paar Zahlen zum Haushalt – die Endorfer Bürger stehen zum Jahresende mit 15 Millionen in der Kreide. Danach ein paar Bilder von Feuerwehrfahrzeugen, Kleinlastern, Geräteschuppen, Löchern im Erdreich und ein paar tanzende Trachtler.

Zum Schluß viel Lob für den Gemeinderat, der vergangenes Wochenende am schönen Ammersee – recht einvernehmlich, wie es hieß  – über die Entwicklung beriet. Die frohe Kunde: es wird die gesamte Ortsmitte überplant! Und die Ortsmitte bleibt „integrierter Bestandteil des Straßendorfs“ (Doris Laban).

Übersetzt wird das heißen: Bauernmarkt und Saftladen werden wohl in den nächsten Jahren vom Raiffeisengelände verschwinden müssen. Und der Endorfer Bürger darf weiter gespannt sein, mit welchen Ideen Chiemsee – und Bahnhofstraße von der Eisenbahnbrücke bis zum hoffentlich bald realisierten großen Kreisverkehr an der Kirche „zum Aushängeschild“ des Ortes gemacht werden sollen. Konkrete Anhaltspunkte? Wer will denn die Vorfreude trüben!

Ein Highlight auch der Auftritt des neuen, österreichischen Vorschlaghammers im staatseigenen – besser gemeindeeigenen – Betrieb und Sorgenbringer GWC.  Der „Vorstand Touristik“ verbreitete Optimismus. der Ströbinger Hof bekommt für eine Millionen Euro neue Teppiche und Bäder und obendrein in jedem Zimmer ein Boxspring-Bett.

Blut, Schweiß und Thermalwasser

Selbst wenn es ungenutzt blieb, so barg Bammers Vortrag wenigstens das Potenzial einer Churchillschen Blut-Schweiß-und-Tränen-Rede.

50.000 Euro – so war von Doris Laban zu hören – musste die Gemeinde 2013 aufwenden, um in einem juristischen Scharmützel eine Feststellungsklage des (gemeindeeigenen) Betriebes GWC gegen die Gemeinde abzuwenden. Und wie man hört, murrt ja derzeit das Landratsamt über den mangelnden Brandschutz im Thermengebäude. Dort soll man der Gemeinde bereits mit Schließung des Bades gedroht haben. Fast vier Millionen Euro könnte allein die Beseitigung dieser Mängel kosten. Das Bergamt drängt zudem auf eine millionenschwere Sanierung des Bohrlochs für’s Thermalwasser, in vielen Teilen des Gebäudes sind die Dächer undicht und im Keller brummt eine völlig überalterte Technik. „Investitionen in die Vergangenheit“, nennt der neue Chef das.

Doch der neue Mann aus Bad Gastein ist sich sicher: Das alles hat Potenzial – nicht für Blut, Schweiß und Tränen, sondern für eine einträgliche Zukunft von Unternehmen und Ort. Bammer verspricht Endorf den „BIG DEAL“ – tatsächlich auch in der Power-Point-Präsentation in Versalien geschrieben – und dass er einmal den „Gordischen Knoten“ zerschlagen werde. Heldenzeiten im Neonlicht eines Mehrzwecksaals.

Vorsorglich macht er aber auch klar, wer einmal die Rechnung für all die in baldiger Zukunft versprochenen Konzepte auf den Tisch bekommen wird – „das sind Sie, das ist ja auch Ihr Betrieb.“ Ein höhnisches Lachen im Saal – immerhin ein Hoffnungsschimmer.

Ein wenig Hoffnung machte dann auch ein junger Mann mit langen Haaren aus Prien den Endorfern. Hoffnung, dass in ihrem Ort tatsächlich einmal so etwas wie eine Energiewende stattfinden könnte. Er stellte den bereits an vielen Stellen diskutierten und durchaus weitsichtigen Energienutzungsplan für Bad Endorf vor. Auf Konkretes – Maßnahmen zur Umsetzung am Ende gar – wird man allerdings noch warten müssen.

Zum Abschluss des Abends setzte sich dann die gesamte Gemeindeverwaltung auf das Podium, blieb allerdings weitgehend wortlos um die Beantwortung der Bürgerfragen der Rathauschefin zu überlassen. Ein nostalgischer Rahmen für die Bürgeranliegen – wie man hört, werden ja zwei der leitendenden Gemeindeposten in nächster Zeit neu besetzt.

Der Grüne Manfred Jäger will die Gemeinde bei der Versorgung der Flüchtlinge im Gemeindegebiet stärker in die Pflicht nehmen und verlangte dafür einen Ansprechpartner für die vielen ehrenamtlichen Helfer im Ort. Hier wird es nach der nächsten Hauptausschusssitzung wohl schon eine Namen geben.

Die Hirnsberger Bürgerinitiative gegen Tetrafunk wollte wissen wie’s nun aussieht mit dem Mastenbau für den verhassten Behördenfunk in Endorf. Die Initiative hatte ja schließlich im Vorjahr bereits die Sendestation erfolgreich vom Hirnsberger Mobilfunkmasten verjagt. Die Antwort – ganz nebenbei – hätte man auch im aktuellen „Endorfer“ in der eigenen Pressemeldung nachlesen können: Der Mast kommt mitten nach Endorf, gleich neben Therme und Klinik auf das Gelände der Bundespolizeikaserne.

Erfrischend trotzdem von der Bürgermeisterin zu diesem Thema einige Minuten lang lupenreines Behördendeutsch vorgelesen zu bekommen: Immissionsschutzrichtlinien die mit einigen Ungen, Heiten und Keiten in Betracht gezogen, in Deckung oder in Anschlag gebracht und beachtet werden müssen. Strahlungen werden durch die Bundesnetzagentur kontrolliert. Außerdem hält besagte Agentur offenbar auch tragbare Magnetstrahlenmessgeräte zum Ausleihen bereit.

Dann fällt der Vorhang, man klatscht dankbar und geht nach Hause. Immerhin der Wirt nebenan ist noch wachgeblieben und hat Bier ausschenkt.

Martin Both

 

2 Gedanken zu “Ein Abend im Öden

  1. Lustig. Der Bericht inspiriert offenbar! Ich weiß nicht mehr genau, wo ich es grad gelesen habe. Muss so eine von diesen Weihnachts-Wurfpostsendungen gewesen sein. OBI? Mach mit? Hin&Mit? Oder so. Ein ortsbekannter Ewiger Volontär (er schreibt attackieren ohne c vorm k, hihi!) reißt da vom Leder über Toleranz. Sappradi! „Bitte haben Sie Verständnis, wir bilden grade aus…“ Er (der Volontär) „torpediert“ herum (Deeeeckung, Herr Kaleu, hat er zu viel „Das Boot“ geschaut, na, der schreibt das mit th, wie ich ihn kenne). Der Gute schäumt wie ein Feuerlöscherchen, dem man das Sicherheitskäppi abgezogen hat! Zischi macht es, dann reihen sich Teutonias Silben zu Ungetümen wie „Wiederinderversenkungverschwindens“, zaschi, dann heißt es: „Nichtindengemeinderatgewähltwordensein“, zuschi, und schon ist das Toleranzsieb erfunden. Das ist gut. Das nehme ich, für die Pasta, zum Abseien. Eine Italienerin braucht ein Toleranzsieb!
    Wie hieß der nur?
    Er übt seit Jahren…

  2. Sinnvoll und gefürchtet zugleich ist eine Auflistung der kompletten und allumfänglichen Sanierung der Thermen. Tropfsteinkeller, Tiefgarage, Brandschutz, Bohrung zwei UND drei, optisches Aufrüsten der Therme für die Zukunft, offensichtliche Mängel …. das ergäbe nämlich einen Kassensturz mit Entscheidungen!
    Herr Bammer meint es ist der Betrieb von uns Endorfern.
    Die Therme ist nicht mein Betrieb! Ich habe meine Angelegenheiten im Griff. Ohne GroßSprech wie „Big Deal“ und „gordischer Knoten“. Ich wehre mich davor, dass das mein Betrieb sein soll.

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