Gefällte Riesen.

Beigefügtes Bild zeigt einen sog. „Zwiesel“, aus der Fachsprache übersetzt einen „Zwillingsbaum“, wie z.B. eine alte Buche, einer unserer einheimischen Laubbäume, die durch Fichten-Monokulturen, die wissenschaftlich gesehen nicht ins Alpenvorland, sondern in die Berge gehören, verdrängt wurden.
(Quelle: Seminar „Baum + Mensch“, LRA Rosenheim, Februar 2016).
Wie auf dem Bild ersichtlich, haben diese Buchen- und Laubbäume einen stattlichen Durchmesser, welcher, – da am Boden nicht gemessen wurde -, auf mindestens 1,50 m per Baum zu beziffern ist.
Eine der gefällten Buchen, der „Zwiesel“, steht nächst Bad Endorf, an der Kreuzung bei Hofham/Stöttham (Batterberg – Hemhof). Die abgebildeten, gefällten Buchen, die auf dem Parkplatz am „Arboretum“ unterhalb von Schloss Amerang zu sehen sind, stellen ebenfalls bereits eine „Baum-Rarität“ dar: Waldbewirtschaftung durch Menschen der vergangenen Generationen geschah in der Regel mit mehr Rücksicht auf sog. „Nachhaltigkeit“. Es gab damals noch keine riesigen „Ernte-Maschinen“ für unsere Wälder.

Bereits vor ca. 250 Jahren erschien für den agrarwirtschaftlichen Bereich hierzu anerkannte Fachliteratur z.B. in Form des Buches „Wie der Wilde Wald im Wuchs zu erhalten sey…“ (Quelle: Dokumentation Bayerischer Rundfunk/TV). Früher wurden „Zwiesel“ und die anderen Laubbäume dieser Größenordnung, die sichtlich gut überlebt haben, mit Durchmessern von über 1,50 m mehr geschätzt und anders behandelt als heute. Heute könnten z.B. moderne Ultraschall-Untersuchungen belegen, ob Bäume dieser Größe gefällt werden müssen (Quelle: siehe Seminar „Baum + Mensch“ 2016 wie o.g.). Es nimmt sich jedoch in der Regel jeder Waldbesitzer meist das Recht, das ihm zusteht, fällt sehr wertvolle alte Laubbäume, um diese zu vermarkten (oder selbst als Heizmaterial zu nützen). Dies ist ökologisch gesehen ein Sakrileg und wirkt sich katastrophal auf „WALD + WILD“ aus. Ich betone Wald im Zusammenhang mit Wild: Nachweislich sind b e i d e Worte im europäischen Raum ethymologisch, also sprachwissenschaftlich erwiesen, verwandt. Der Begriff „Wald“ war gleich „Wild,“ dies über viele Jahrhunderte hinweg. Ich zitiere hierzu ebenfalls die neue PRESSE-WOCHE, Ausgabe 08. – 21. April 2016: Statements vom Verein „Wildes Bayern“, hier Wild-Biologin Frau Dr. Miller, ebenso wie Berufsjäger, Herr Weiß, Oberaudorf. Letzterer vermittelt folgendes Wissen: „… Jeder der Grundstücksbesitzer muss sich im Klaren darüber sein, dass der Wald das Wild braucht…“ Weiteres Zitat:

“ …Es gibt Faktoren, die dem Wald schaden. Monokulturen zum Beispiel. Für derartige Verbrechen des Menschen an seinem natürlichen Lebensraum trägt das Wild nun wirklich nicht die Schuld….Der Jäger, Herr Weiß, führt Kindergarten- und Schulgruppen durch sein Revier nächst Oberaudorf, in dem er Flora + Fauna in vorbildlich ökologischer Weise erhält. „… Er bringt den jungen, unvoreingenommenen Seelchen den Lebensraum „Wald“ näher. (Zitat PRESSE-Woche:) Eine seiner ersten Fragen an die kleinen Menschen lautet:

„Wisst Ihr denn, w e m der Wald gehört? Die Antwort zu 99,9 % der Fälle: „Den T i e r e n ! “

Es heißt nicht nur „Kindermund tut Wahrheit kund“.

Es ist nachweisbar, dass die Art und Weise, wie erwachsene und hierfür verantwortliche Menschen Wald (und damit auch die letzten Wildnisse Bayerns) zerstören, zu irreparablen Schäden im ökologischen Gleichgewicht führt. Wer dies nicht glauben will, kann sich von kleinen, neu angebauten Fichten-Monokulturen, die sichtlich krank sind, überzeugen: Mitten im NSG (Naturschutzgebiet) Eggstätt-Hemhofer-Seenplatte werden die jungen Fichten-Monokulturen direkt am See-Ufer angebaut, völlig gegen jedes bessere Wissen, gegen jegliche Vernunft, da am See-Ufer keine Fichten stehen sollten, früher nie gestanden haben.

„Grün ist die Hoffnung“ schreibt der Philosoph W. Gamerith, „Öko-soziales Denken und umweltverträgliches Verhalten müssen a l l e Gesellschafts- und Interessengruppen durchdringen…. wenn wir alle eine lebenswerte Welt hinterlassen wollen.“ Zitat Ende. Ist nun jegliche Hoffnung zu Ende anhand der vielen gefällten Baumriesen als Sauerstoffprodukteure von tausenden von Litern Sauerstoff pro Tag, ebenso als vorbildliche CO2-Binder ? „Grün“ bleibt weiterhin die Hoffnung. Im Sinne eines „faustischen Frühlingsgefühls“ (durch den „Osterspaziergang“ von J.W. von Goethe Ihnen allen bekannt) wünsche ich Ihnen trotz der heurigen extremen Baumfäll-Arbeiten und eines geschulten Blickes auf unsere zwar wunderbar durch den Gletscher geformte, in zartem Grün erwachende Heimat-Landschaft, die sich jedoch auch als brutal-monokulturell bestimmte Agrar-Wüstenei bezüglich der Einheitswiesen ohne Feldhecken, immer noch mittels Fichten-Monokulturen präsentiert und kaum mehr mäandernde Bächlein (nebst zugehörigen Tieren und Pflanzen) aufweist – wie dies zu Goethes Zeiten bis ca. 1950 zur Flurbereinigung noch in meiner Kindheit Präge-Charakter hatte.

Eine schöne, erbaulich-positive Frühlingszeit draußen in der Natur, besonders im Laub- und Buchenmischwald, so wie er eigentlich ins bayerische Voralpenland gehört, mit einem Platz zum Ausruhen unter einem unserer letzten Baum-Riesen, die noch nicht gefällt wurden …

Sabine Oberberger, Hemhof

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