Wie eine erfolgreiche Integration gestalten?

Um es vorweg zu sagen, die bisherige Art der Integration von Migranten kann heute nicht mehr das Ziel der derzeitigen gesellschaftlichen Herausforderung sein. Vielmehr bezeichnet das Wort „Integration“ den Fakt, dass Migranten in der Gesellschaft leben. Jeder Einzelne von uns entscheidet sich aber im alltäglichen Umgang mit Migranten: „Bleiben wir aneinander uninteressiert, obwohl wir den gleichen Raum teilen? Oder wollen wir uns auf Augenhöhe begegnen?“

 

Für den 25. April 2017 hatte der Ortsverband Bad Endorf der BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN zu einer Wertediskussion eingeladen. Hierzu engagierten sie den Sprecher des LAG Integration, Flucht und Migration, Herrn Mücahit Tunca, mit dem Vortrag Integration oder Inklusion? – Erfolgreiche Integration gestalten.

Herr Tunca lebt bereits seit 2004 in Deutschland. Als eingebürgerter Deutscher studierte und arbeitet er in München. Etwa zehn Prozent der Menschen in Deutschland sind selber Migranten oder haben einen Migrationshintergrund.

Zwar ist die Zahl der Flüchtlinge seit längerem rückläufig, doch die durch die Migrationswelle offen zu Tage getretene Xenophobie radikalisiert sich in Teilen der Bevölkerung unvermindert weiter. Herr Tunca konnte das mit zahlreichen Zitaten prominenter Politiker aus den vergangenen Monat untermauern, die den Verlust der Tradition beklagen, eine Multikulti-Gesellschaft für gescheitert erklären oder auf sogenannte No-Go-Areas verwiesen.

Aber Herr Tunca wusste auch um Meinungen, die aufgrund volkswirtschaftlicher Aspekte eine massive Zuwanderung begrüßen. Durch die Integration ließe sich der drohende massive Facharbeitermangel ausgleichen. Neubürger seien Stütze des Sozialsystems und künftige Konsumenten.

Aus eigenem Erleben weiß Herr Tunca um die Integrationsbereitschaft der deutschen Gegenwartsgesellschaft. Amtlicherseits werden Formulare in schwer verständlichem Deutsch ausgehändigt. Sämtliche Vorbildungen werden komplett ignoriert. Die Prüfungsfragen zum Deutschen Einbürgerungstest zielen auf ein Detailwissen des Grundgesetzes ab, das in der deutschen Durchschnittsbevölkerung unbekannt sei. Die meisten Deutschen bezeichneten sich gegenüber Migranten als tolerant, aber ein Migrant erlebe vielmehr ein Alleingelassensein, die allgemeine Orientierungslosigkeit und Ignoranz.

Schon der Begriff „Integration“ beschreibt genau genommen nicht ein Miteinander, sondern ein Nebeneinander im gleichen Raum, ohne Berührungspunkte. Im täglichen Umgang bedeute das, die Minderheit wird sich nur wenig über die Mehrheitsgesellschaft identifizieren. Vielmehr werden die Mitglieder der Minderheit auf der Suche nach Anerkennung und Verwirklichung unter sich bleiben und sich an ihrer Herkunft orientieren.

Der Begriff „Inklusion“ dagegen beinhalte den entscheidenden Aspekt der gemeinsamen, sich respektierenden Berührungspunkte. Schon durch ganz normale menschliche Begegnungen fühle der Einzelne sich nicht bloß einer Gruppierung zugeordnet. Helferkreise schaffen die Möglichkeiten zwangloser Kommunikation, durch die Neubürger Orientierung erfahren können. Letztendlich wollen alle Teile der Gesellschaft durch die sinnhafte Einbringung in die Gemeinschaft eine Chance in ihrem Leben haben.

Daniel Ardaya für DIE GRÜNEN

 

 

 

Mücahit Tunca bei seinem Vortrag in Endorf

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