GWC Hauptversammlung – Alljährliches Hochamt im Kursaal.

Die Aufregungen der Vorjahre scheinen vorbei.
Der Endorfer Gesundheitskonzern „Gesundheitswelt Chiemgau AG – kurz GWC – “ feierte am 18. Juli ihr alljährliches Hochamt für seine Kapitalgeber und alle schienen zufrieden.

An der Westwand des Endorfer Kultursaales standen die Schinkensemmeln bereit – hübsch garniert freilich – und auf der gegenüberliegenden Seite präsentierten sich Vorstand und Aufsichtsrat – auch hier mit hübscher Garnitur.

Man wäre gewachsen, investiere und habe seit dem Vorjahr sogar eine äußerst einträgliche Luxusklinik für den Burn-Out-geplagte Privatpatienten direkt am Seebrucker Chiemseeufer im Angebot.

Zwar fällt das Konzernergebnis mit 2,2 Millionen Euro etwas magerer aus als noch im Vorjahr.
Damals hatte man noch 8,1 Millionen Euro im Bericht stehen.
Doch wäre dieser Rückgang um 72,6 Prozent leicht erklärbar:

Im Vorjahr hatte sich der Konzern noch etliche Millionen der Habenseite zuschreiben dürfen, nachdem die Millionen, die man glaubte für eine Sanierung der sogenannten Bohrung II in Endorf, ansparen zu müssen, nicht mehr nötig waren.

Man hatte damals ein günstiges Provisorium anstelle der kostspieligen Sanierung des Bohrstrangs bis in 4.000 Meter Tiefe gefunden und die gesparte Summe besserte die Bilanz auf.

Was freilich künftig mit dieser Bohrung passieren solle, darüber gab der Vorstand des Bereichs Touristik in der GWC, Stefan Bammer, nur sehr schmallippig Antwort:

„Unabschätzbare Investitionen“, kämen in den kommenden drei Jahren möglicherweise mit der Aufgabe der Sanierung auf den Konzern zu.
Wie für alle Bohrungen im Freistaat, führe man hier derzeit Untersuchungen durch, deren Ergebnisse allerdings noch nicht vorlägen, für dieses Jahr jedoch noch erwartet würden.
Für die anstehenden Investitionen wolle man in nächster Zeit etwas Geld ansparen.

Trotz allem, gut einen Euro gibt’s für die Anteilseigner des Konzerns für jede Aktie, was dem ein oder anderen im Saal jedoch ein wenig mager erschien.

Dass die Gemeinde Bad Endorf – Entflechtung hin oder her – immer noch als Mehrheitsaktionär eine gewichtige Rolle für die Aktiengesellschaft spielt, zeigte sich bei der Besetzung des Aufsichtsrates:

Nicht nur, dass Hieronymus Stockinger, einst zurückgetreten aus Aufsichts- und Marktgemeinderat, nun wieder durch den Endorfer Markgemeinderat für Professor Dr. Hans Zangl in das Aufsichtsgremium entsandt wurde.

Zudem wählte die Hauptversammlung, in der die Marktgemeinde die Mehrheit halt, Herbert M. Pichler – einen Unternehmensberater der mit seiner Futuramed GmbH Gesundheitsunternehmen berät.

Dass er auch aktuell laufende Beratungsverträge mit dem von ihm zu kontrollierenden Vorstand der GWC zu bedienen hat, schien weder dem Gemeinderat noch dem Aufsichtsrat bedenklich. Ein Interessenkonflikt läge nicht vor, schließlich würde der neu zusammengesetzte Aufsichtsrat gleich in seiner ersten Sitzung dem dann neu bestellten Mitglied Pichler nach §114 Aktiengesetz seine Geschäfte mit dem Konzern abnicken, war sich der Vorsitzende des GWC-Aufsichtsrates Gerhard Ertl sicher. Außerdem sei der neue Mann nur einer von zehn Aufsichtsratsmitgliedern, somit sei ausgeschlossen, dass er dort mit Mehrheit die Interessen seiner Firma vertrete.

Aufgeregt schien niemand. Die Semmeln warteten im Eingangsbereich das Saals und auf den Powerpoint-Folien sah man bereits die neue Therme: mit luxuriösen Ruheräumen, einer Panoramasauna und einer großen thermalen Felslandschaft im Tiefparterre.
Die Felsen freilich sind werden nicht echt sein, nur Garnitur, wenn man so will, aus Kunststoff.

Martin Both

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