Das Auto.

Die Beschleunigung aus dem Stand begeistert.
Jedem protzigen Sportwagen könnte der Auspuff gezeigt werden. Aber um Angeberei ging es der Familie Roßmy aus Mauerkirchen bei der Entscheidung für ein elektrifiziertes Automobil ganz sicher nicht. Stattdessen wollten Christine und Reinhard Roßmy mehr Nachhaltigkeit in ihre Mobilität bringen. Also wurde entschieden, dass kein Verbrenner von Öl oder Diesel gekauft wird. Es sollte ein Elektroauto werden und das wird kurzerhand selbst gebaut. Bisserl chic und komfortabel soll der Wagen aber schon sein. „Bauen wir doch einen Mini Cooper von BMW um.“

Regionale Science-Fiction
Diese Entscheidung wurde am gemütlichen Esstisch in der Wohnküche getroffen. Für mich klingt es nach regionaler Science-Fiction, den Antriebsstrang eines Autos völlig neu zu gestalten. Für die Familie Roßmy natürlich auch. Reinhard ist Ingenieur für Nachrichtentechnik, die Söhne Paulinus und Vinzenz sind technischer Produktdesigner bzw. Feinmechaniker und damit für kommende Herausforderungen bestens gewappnet.

Regional war das Vater-Söhne-Projekt insofern, als viel Wissen und Hilfe von außen kam. Ein Lieferant von Teilen aus Pfarrkirchen beispielsweise hat nicht nur die wesentlichen Teile zu fairen Preisen verkauft, sondern auch viele wesentliche Ratschläge mitgeliefert.

Anders als etwa bei einer Firma, die sich auf professioneller Ebene mit derartigen Umbauten beschäftigt, waren beim Antworter Projekt Begeisterung und Hilfsbereitschaft großartig. Es wurde gerne bei Schweiß- oder Fräsarbeiten ausgeholfen. Das hat Reinhard Roßmy mehrmals betont.
Die praktische Umsetzung beginnt mit dem Kauf eines Mini für relativ kleines Geld. Allerdings musste das Auto vor 2004 vom Band gerollt sein. Bei jüngeren Modellen verlangen die Behörden nach technischen Umbauten eine recht aufwändige Abnahme. Der Motor wurde schnell verkauft, danach gab es kein Zurück mehr. Scheitern war ab dem Zeitpunkt keine Option. Es musste aus dem Wagen alles raus, was stinkt und ölig ist. Also Tank, Kraftstoffleitungen und -pumpen. Stattdessen mussten der Elektromotor, Akkus, dicke orangefarbene Kabel, Controller und Wandler in den Motorraum passen. Spannend bei elektrischen Autos ist immer, wie weit man kommt.

Der Roßmy-Mini speichert bis zu 25 Kilowattstunden Energie. Damit kommt man 120 Kilometer weit, genug für alle Alltagsfahrten. Es wurden 30 Akkus aus Rollstühlen verbaut. Der Platzbedarf wurde einfach ausprobiert. Die Akkus mussten allerdings im Wagen an drei Stellen verteilt werden. Vater und Söhne haben die Akkuform aus Styrodur-Elementen geschnitten. Die waren noch vom Hausbau übrig. Der Motor wurde direkt ans Getriebe gesetzt und auf den Frontantrieb geflanscht. Von Planungen, praktischen Arbeiten bis zur erfolgreichen, peniblen und dennoch fairen TÜV-Abnahme hat es ein Jahr gedauert.

Die Roßmys verbrachten mit dem Umbau insgesamt 22 Personen-Tage. Die Verbrauchskosten pro 100 Kilometer liegen je nach Stromeinkauf bei 4,16 bis nur 2,22 Euro. Der Wagen wird über eine normale Steckdose geladen. Es gab auch die typischen Anfechtungen, welchen jedoch leicht zu entkräften sind. Es heißt, die CO2-Bilanz eines Elektroflitzers sei schlechter. Ab Produktion trifft dies zu. Es ist wichtig den richtigen Strommix aus erneuerbaren Energien zu kaufen. Strom aus Atom und Kohle kommt nicht in den Wagen. Gut wäre eine Photovoltaikanlage auf dem Dach.

Der Neubau eines E-Mobils wird ab ungefähr 50.000 Kilometern zugunsten der CO2-Ersparnis rentabel.
Reinhard Roßmy rät, auf Ökostrom umzusteigen.
Wesentlich ist natürlich die Größe eines Wagens. Ein elektrifizierter Oberklassewagen oder ein Geländewagen wäre nur ein verzweifelter Versuch des Green-Washings. Mit den Ressourcen für die Akkus ist es natürlich so eine Sache. Ausnahmslos alle Akkus und Batterien müssen wieder zurück zum Recycling in die Industrie. Die technischen Verfahren sind verfügbar. Nur beim Rücklauf der Metalle in die Wertstoffkette hapert es immer noch.
Die Familie Roßmy sagt ganz klar, dass man bei so einem Wagen Kompromisse eingehen muss. Mir selbst scheinen sich die Kompromisse nur auf den sehr kleinen Kofferraum zu reduzieren.

Das Fazit von Josefa, der Jüngsten der Familie Roßmy: „Ihr seid verrückt, aber dies ist eine tolle Idee und ich bin Stolz, dass ihr‘s geschafft habt.“

Thomas Restle fährt selbst ein Elektroauto. Ihm liegen Energiethemen sehr am Herzen.

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