Wärme aus der Heimat — Bad Endorf hat einen Plan.
Jetzt muss er umgesetzt werden.
Die letzten Wochen standen im Zeichen steigender Preise für Öl und Gas — ausgelöst durch die gesperrte Straße von Hormus infolge des Irankriegs. Gleichzeitig gingen in München Zehntausende auf die Straße, um den Ausbau erneuerbarer Energien zu verteidigen. Und in Bad Endorf wurde die kommunale Wärmeplanung veröffentlicht. Ein Plan liegt vor — aber mehr auch nicht. Ein Blick ins benachbarte Amerang zeigt, wie viel schneller es gehen kann.
Was die Krise sichtbar macht:
Öl und Gas machen abhängig und erpressbar, treiben Energiepreise in die Höhe und befeuern die Klimakrise. Wer in Bad Endorf noch mit Öl oder Gas heizt — und das ist die Mehrheit der Haushalte — spürt das direkt auf der Heizkostenabrechnung. Die Bundespolitik verschärft das Problem noch: Wirtschaftsministerin Reiche will die Einspeisevergütung für PV-Anlagen streichen, den Anschluss von Solar- und Windanlagen massiv erschweren und Heizen mit Öl und Gas verlängern. Umso mehr liegt es an den Kommunen selbst.
Was der Wärmeplan enthält.
Der gesamte Endenergieverbrauch in Bad Endorf liegt bei rund 177.000 MWh pro Jahr, davon knapp 68 % Wärme. Die Potenzialanalyse identifiziert folgende Technologien als konkret geeignet:
• PV-Freiflächenanlagen auf vorhandenen Flächen
• PV-Aufdachanlagen und Solarthermie als Hybridlösung
• Luftwärmepumpen und oberflächennahe Geothermie für Einzelgebäude
• Holzbiomasse aus regionalen Forstflächen
• Ein kleines Windkraftgebiet auf Gemeindegebiet als weiterer Baustein
Das bestehende Heizwerk ist Anfang 2026 in Gemeindeeigentum übergegangen und soll Kern der Dekarbonisierung werden. Das ist ein konkreter Schritt. Alles andere — Machbarkeitsstudien, Investitionsentscheidungen, Netzausbau — steht noch aus.
Der Vergleich: Was Amerang bereits baut.
Nur wenige Kilometer entfernt ist die Gemeinde Amerang schon deutlich weiter. Gemeinsam mit einer Bürgerenergiegenossenschaft entsteht ein kommunales Fernwärmenetz, das hauptsächlich stromgeführt betrieben wird: Luft-Wasser-Wärmepumpen und ein Elektrokessel erzeugen die Wärme, gespeist aus einem eigenen PV-Park. Hackschnitzel decken nur die Lastspitzen im Winter ab.
Der PV-Park ist kein kleines Dachprojekt: Auf 28 Hektar entstehen rund 50.000 Module mit einer Leistung von 32 Megawattpeak und einem erwarteten Jahresertrag von knapp 36 Millionen Kilowattstunden. Ergänzt wird die Anlage durch einen Batteriespeicher mit rund 25 MW Leistung und einer Kapazität von 50 bis 100 Megawattstunden — der Strom bleibt damit auch nachts nutzbar.
Der entscheidende Unterschied liegt nicht nur in der Technik, sondern in der Philosophie: Das Fernwärmenetz in Amerang soll im Endausbau rund 200 Hausanschlüsse versorgen — mit bis zu 70 % staatlicher Förderung auf die Investitionskosten. Die Last wird also nicht auf einzelne Hauseigentümer abgewälzt, sondern zentral gelöst. Wer einen Fernwärmeanschluss bekommt, muss selbst nichts investieren — kein Heizungstausch, keine eigene Wärmepumpe, kein Installationsaufwand.
In Bad Endorf hingegen adressiert der aktuelle Plan außerhalb des bestehenden kleinen Wärmenetzes vor allem dezentrale Einzellösungen: Hauseigentümer sollen selbst sanieren und investieren. Das ist teurer, ungleicher verteilt — und trifft Mieter als Option gar nicht erst.
Bürger finanziell beteiligen — das Genossenschaftsmodell.
Auch hier macht Amerang vor, wie es geht: Die finanzielle Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger war von Anfang an Teil des Projekts — die Infoveranstaltung dazu war mit 250 Teilnehmenden sehr gut besucht. Eine Bürgerenergiegenossenschaft in Bad Endorf könnte denselben Weg gehen: Bürgerinnen und Bürger zeichnen Anteile ab typischerweise 500 oder 1.000 Euro und werden Miteigentümer der lokalen Energieinfrastruktur. Die Vorteile sind handfest:
• Kapital und Erträge bleiben in der Gemeinde statt in Ölkonzernen zu verschwinden.
• Projekte mit finanzieller Bürgerbeteiligung stoßen auf deutlich weniger Widerstand.
• Auch Mieterinnen und Mieter ohne eigenes Dach können von der Energiewende profitieren.
• Die Infrastruktur bleibt dauerhaft in lokaler Hand — nicht verkäuflich an externe Investoren.
• Eines Mitglied, eine Stimme: demokratische Kontrolle statt Renditemaximierung.
Fazit
Bad Endorf hat analysiert und das Heizwerk übernommen. Das reicht nicht. Das Beispiel Amerang zeigt, dass eine ambitionierte Umsetzung in wenigen Jahren möglich ist — wenn die Gemeinde das als Infrastrukturaufgabe begreift und nicht als Problem, das Hauseigentümer alleine lösen sollen. Machbarkeitsstudie 2026, Investitionsentscheidung 2027, erster Netzausbau 2028 — das wäre ein realistischer Zeitplan. Und eine Bürgerenergiegenossenschaft könnte dabei nicht nur Kapital mobilisieren, sondern auch Rückenwind erzeugen. Die Straße von Hormus macht die Kosten des Abwartens täglich sichtbarer.
Dr. Claudia Bergmann

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