Der Optimismus des Sprechers aus dem Landratsamt verwundert uns. Denn nach unserer Ansicht, zeigt der Vorgang in der Bad Endorfer Katharinenheimstraße beispielhaft, woran Integration in Deutschland und insbesondere im CSU-geführten Bayern tatsächlich scheitert.
Mit äußerst knappen Fristen wurden Flüchtlinge und Endorfer Helferkreis vom Landratsamt über die anstehende Räumung des Hauses informiert. Unter den betroffenen Personen befanden sich nicht nur Familien, deren Kinder nun unvermittelt mitten im Schuljahr aus ihrem Freundeskreis in Kindergarten, Grundschule und Gymnasium gerissen wurden. Sie wurden großzügig im Landkreis zwischen Inntal und Edling verteilt. Eine Frau wurde nur wenige Tage vor der Entbindung, während einer komplizierten und risikoreichen Schwangerschaft zum Umzug in die Gemeinde Nussdorf gezwungen, wo sie nun für die zahlreichen Untersuchungstermine und für zur Entbindung weite Wege in Kauf nehmen musste – ohne Auto, ohne funktionierenden öffentlichen Nahverkehr, ohne Freunde und Unterstützer.
Der Helferkreis fühlt sich vom Landratsamt – wie so oft – alleine gelassen und blickt frustriert auf die jahrelangen Integrationsbemühungen, mit denen man den betroffenen Flüchtlingen in Bad Endorf einen Weg zu Arbeitsplätzen, zu Schul- und Ausbildungserfolgen und zu Freundschaften im Ort verholfen hatte.
Schwer wiegt in diesem Fall auch das Verhalten der Bürgermeisterin Doris Laban und der Endorfer Marktgemeindeverwaltung. Denn diese hätten durchaus den Flüchtlingen gemeindeeigene Wohnungen anbieten können. Die Gemeinde besitzt mit dem alten Volksbankgebäude am Kirchplatz vier geeignete und sehr günstige Wohnungen, von denen bisher lediglich eine vermietet werden konnte. Wissend um die Notsituation der Flüchtlinge wurden weder dem Helferkreis – der sich mehrfach bei der Gemeinde nach Wohnmöglichkeiten für Flüchtlinge erkundigte – noch den Flüchtlingen selbst die Möglichkeit angeboten dort unterzukommen. Wie es heißt, sieht die Bürgermeisterin in Flüchtlingsfragen ausschließlich das Landratsamt in der Pflicht und möchte die Gemeinde nicht mit den Problemen von Flüchtlingen belasten.
Vor diesem Hintergrund mutet es besonders befremdlich an, wenn dieselbe Bürgermeisterin – wie anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Endorfer Fluchtgeschichten“ am vergangenen Samstag in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde geschehen – vor den Helferkreis tritt, um dort von Mitmenschlichkeit, dem Wert von Hilfe und den Chancen, die den Flüchtlingen dadurch entstehen, schwadroniert.

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