In den vergangenen Wochen ‚ mal am Endorfer Bahnhof vorbeigekommen – hinter dem Parkplatz am Gleis vier? Am ehemaligen Bauernwirt? Dort hängt inzwischen ein ziemlich großes und buntes Banner: Wohnungen unter 6.000 Euro den Quadratmeter. Luxuspreise für Wohnraum angepriesen wie Ramschware.
Das bunte Geschmiere zeigt dabei ein ernstes Problem: Dort wo in Endorf in den vergangenen Jahren mit Geld aus privaten Taschen gebaut wurde, entstanden hochpreisige Wohnungen: ökologisch problematisch und sozial unverträglich, ästhetisch banal. Während bezahlbarer Wohnraum in Bad Endorf nur noch über Beziehungen und zu oft horrenden Mieten verfügbar ist, entstanden große Wohnanlagen, die mit möglichst geringem Aufwand das Maximum aus den rechtlich gesetzten Möglichkeiten und Grenzen zu holen verstanden.
Mit dem kürzlich gestarteten Bauturbo sollen die Grenzen, die privaten Bauherren und Investoren bisher von der Errichtung von Wohnraum abhielten, weitgehend verschwinden: Einfügegebote in ein bestehendes Umfeld, Außenbereiche in Ortsnähe – alles steht zur Diskussion. Beinahe jede Gemeinderatssitzung hat seit dem Zünden des unseligen Turbos nun mit Anträgen privater Bauherren und Baufrauen zu kämpfen.
Das Projekt am ehemaligen Bauernwirt wurde dem Gemeinderat allen Ernstes als Projekt für bezahlbaren Wohnraum präsentiert.
Den einzigen Schluss, den man aus derartigem Unsinn ziehen muss, ist nur, dass die Freude am Profit sich nicht mit den Interessen und Zielen gesunder Ortsentwicklung vertragen. Es scheint: bezahlbarer Wohnraum kann nur in Strukturen entstehen, die verfasstermaßen das Wohl der Allgemeinheit im Blick haben. Das heißt nicht, dass eine Gemeinde hier notwendigerweise als Kapitalgeberin herhalten muss. Es heißt nur, dass sie sich – will sie auch für Menschen mit gewöhnlichen Einkommen einen bezahlbaren Platz im Ort sicherstellen – ein klares Urteil erlauben muss.
Bezahlbarer Wohnraum muss in Gemeinden wie Bad Endorf ein Ziel politischen Handelns werden. Partner für das Erreichen des Ziels kann nur werden, wer glaubhaft nachweisen kann, dass er oder sie private Gewinninteressen hinter dieses Ziel zu stellen versteht – im Idealfall sogar das Gemeinwohl vor das Einzelinteresse zu stellen bereit ist. Neben öffentlich finanziertem Wohnungsbau haben sich hier oft Genossenschaften als Struktur als sinnvoll erwiesen.
Privat kann’s nicht. Wer in Endorf weiter darauf wartet, dass diese Tatsache widerlegt wird, wird nur weitere trostlose Projekte erleben. Bunte Plakate inklusive.
Martin Both, Marktgemeinderat

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