Was tun?

Sehr persönliche Gedanken über den Umgang mit der AfD, ihren Mitgliedern und Wähler*innen

Bei einem der letzten OV-Treffen hat ein Mitglied von einer langjährigen Freundin im Ruhrgebiet erzählt,
die, nachdem sie immer SPD gewählt hatte, nun für die AfD stimmte. Der Grund: Sie, eher klein und
schwarzhaarig, wird regelmäßig von Migranten angesprochen, so dass sie mittlerweile Angst hat, auf die
Straße zu gehen. Sie fühlt sich in ihrer Not von den anderen Parteien, die das Problem wohl ignorieren, im
Stich gelassen.


Die AfD hat sich in der Mitte der Parteienlandschaft etabliert, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich
ein Ortsverband in Bad Endorf gründet. Wie also mit einer Partei umgehen, die – zumindest verbal – in
den Augen vieler Normalbürger die brennenden Probleme angeht, welche die etablierten Parteien
anscheinend nicht anpacken? Ignorieren? Aktiv ausschließen? Punktuell kooperieren? Integrieren?
Schwierig bei einer Partei, die nachweislich auch menschenverachtende, rechtsradikale Ziele verfolgt?
Was tun?


In unserer Zeit hat Spaltung Hochkonjunktur. (Ich meine Spaltung, nicht nur Spaltungstendenzen!) Sie
zeigt sich weltweit, in den unterschiedlichsten Ländern, in Gruppen und Familien, wobei Corona ihr einen
zusätzlichen Schub verpasst hat. Spaltung ist immer auch nachvollziehbar, und man kann ihr oft selbst nur
schwer entkommen. Aber sie ist menschengemacht. Und dumm, denn sie schadet allen. Und sie entspricht nicht der unumstößlichen Realität, dass im Grund alles eins ist: eine Welt, eine Menschheit, die
Gesellschaft in ihrer Ganzheit. So wie auch eine Familie systemisch eine Einheit ist, selbst wenn
Mitglieder ausgestoßen werden oder sich selbst isolieren.


Wenn wir also von dieser grundsätzlichen Ganzheit ausgehen (müssen), gehört die AfD mit dazu, ob es
uns nun gefällt oder nicht. Genauso wie eben auch die Migranten oder andere Randgruppen. Die AfD
auszuschließen ist also ebenso unsinnig wie die von ihr geforderte sog. Remigration.


Wir müssen nolens volens aufeinander zugehen und gemeinsam Lösungen finden aus unserer
demokratischen Verantwortung heraus: hart aber fair und bei Bedarf mit klarer Grenzsetzung. Dabei hilft
es nicht, dem anderen das Existenzrecht abzusprechen und sich in der eigenen Blase zu verbarrikadieren,
Auf Gemeindeebene dürfte das eigentlich gar nicht so schwierig sein, möchte man meinen. Da könnte
dann die CSU-Fraktion im Umgang mit den GRÜNEN schon mal üben.


Und wenn das Gegenüber die ausgestreckt Hand nicht ergreifen will? – Dann braucht es den berühmten
langen Atem.


Robert Hell

Kommentar verfassen

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld

Mit der Nutzung dieses Formulars erklären Sie sich mit der Speicherung und Verarbeitung Ihrer Daten durch diese Website einverstanden. Weiteres entnehmen Sie bitte der Datenschutzerklärung.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Verwandte Artikel